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23.06.2020 - Bald stylt er auch die Models von engelbert strauss

Ronneburg. Aus dem Friseursalon Habermann wurde der Friseursalon Specht. Und aus dem Friseursalon Specht schließlich die Marke „Hair by Specht". So wie den Namen hat der heutige Geschäftsführer und Meister Dirk Specht auch das Familienunternehmen aufgepeppt, das sein Großvater Georg Habermann vor nunmehr 85 Jahren in Hüttengesäß gegründet hatte. Mittlerweile beschäftigt der 47-Jährige in seinem Salon an der Kirchstraße 18 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber im Ort.

Seine Kundschaft kommt von überall aus dem Rhein-Main-Gebiet ins Ronneburg Hügelland. Darunter sind auch Prominente aus der Welt des Fernsehens, des Sports, der Politik und auch dem Musikgeschäft. In Zusammenarbeit mit „Miss Deutschland" stylt das Ronneburger Friseurteam die schönsten Frauen aus Hessen für den Laufsteg und die bevorstehenden Wahlen. Sein neuester Coup: Künftig wird Specht auch die Models stylen, die die Produkte des Biebergemünder Kleidungshersteller Engelbert Strauss in den Katalogen präsentieren.

Fragt man Dirk Specht nach den Ursachen für die rasante Entwicklung des Familienbetriebs, dann erzählt er, wie er und sein Vater Willi Anfang des Jahrtausends an einem Scheidepunkt angekommen waren. Es war die Zeit, als überall die Zehn-Euro-Friseure wie Pilze aus dem Boden schossen. „Da habe ich gesagt: Vater, entweder wir machen den Laden dicht, oder wir kreieren aus dem Friseursalon eine Qualitätsmarke, bei dem die Kunden auf ein Leistungsversprechen vertrauen können." Dirk Specht entschied sich für Letzteres, übernahm das Unternehmen und formte daraus die Qualitätsmarke „Hair by Specht". „Ich habe es nicht bereut", sagt der 47-Jährige. Vater Willi und Mutter Edit, kommen nur noch jeweils vier Stunden in der Woche in den Salon, um einige Stammkunden zu bedienen, denen sie seit Jahrzehnten die Haare schneiden. Und auch Dirk Specht greift seltener zu Kamm und Schere. Er kümmert sich mittlerweile im Hintergrund um Organisatorisches und natürlich um das Marketing. Darauf versteht er sich. Es gibt wohl kaum einen Friseur in der Region, der so oft in den Medien präsent ist wie der Hüttengesäßer, der für seine Mitarbeiter schon mal öffentlichkeitswirksam Freikarten fürs Schwimmbad kauft und diese dann im Rahmen einer schillernden Beach Party verteilt. Aufgrund seiner vielen Leistungen und kreativen Marketingideen hatte Specht immer wieder TV-Sender zu Besuch in seinen Salon. Größte Aufmerksamkeit erzielte Specht auch mit seiner „Rapunzelaktion", wie er sie nennt. Zugunsten eines Kinderhospiz bat er seine Kunden um deren Haarschopf. Dabei kamen 34 Meter zusammen, für den wohl größten karitativen Zopf der Welt, der für den guten Zweck viel Geld einbrachten. Radiosender wie der Hessische Rundfunk, RTL, FFH und auch die lokale Presse informierten ausführlich über die Initiative von „Hair by Specht". Mit dem schillernden Interieur seines Salons, in den er rund eine halbe Million Euro investiert hat und seinem hohen Fachwissen schaffte er es auch mehrfach in eine deutschlandweit gelesene Fachzeitschrift.

Specht hat ein Händchen für die Öffentlichkeitsarbeit, vielleicht weil er selbst eine Zeit im wenn auch kleinen Show- und Musikgeschäft tätig war. Im Bierkönig auf Mallorca legte er - so ganz nebenbei - viele Jahre lang als DJ Platten auf, noch heute pflegt er gute Verbindungen auf die Insel. Irgendwann wurde es ihm jedoch zu viel, er traf die Entscheidung, sich ganz auf den Familienbetrieb zu konzentrieren.

Specht weiß, wie wichtig eine gute PR ist, doch weiß er auch, dass die Werbung nicht alles kann: „Wenn das Ergebnis der Arbeit nicht stimmt, nützt auch das öffentliche Interesse nicht", sagt er. Bereits in seiner eigenen Ausbildung legte er Wert auf Qualität. Er selbst hat sich einst auf einer internationalen Fachschule ausbilden lassen, und auch bei seinem Personal spart der emsige Unternehmer nicht an Weiterbildungsmaßnahmen: Er schickt sie regelmäßig zu externen Seminaren, und mehrmals im Jahr wird das ganze Team beim Wella auf Trends geschult. Zu dem Hersteller unterhält Specht enge Beziehungen. Die Weiterbildung lasse er sich einen fünfstelligen Betrag im Jahr kosten. Auch weil ihm das Betriebsklima wichtig sei. „Die Mitarbeiter müssen sich wohlfühlen, Spass und Sicherheit haben, bei dem was sie tun, nur so lassen sich Höchstleistungen erzielen, sagt er. Bundesweit ist er das einzige Unternehmen, das fünf Mastertitel vorweisen könne: „Master of Cut, Color, Extensions, Beauty und Men", wie die Qualitätssiegel im Fachjargon genannt werden.

Die Idee, zu expandieren und weitere Filialen außerhalb seines Heimatorts zu eröffnen, habe er trotz verlockender Angebote nicht in Betracht gezogen. Es sei besser sei, sich voll auf einen Laden zu konzentrieren, den aber richtig zu betreiben. Specht sieht sich selbst als einen Kämpfer für das ehrliche Handwerk. In der Friseur-Innung, die in Hanau unter dem Dach der Kreishandwerkerschaft Hanau angesiedelt ist, kämpft er an der Seite von Obermeister Michael Dörr für Chancengleichheit, eine gute Ausbildung für den Nachwuchs, an dem es ihm im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben nicht mangelt, und eine hohe handwerkliche Qualität. Spechts Engagement wird auch in der Politik und von Vertretern der Branche gewürdigt. Bei einer kleinen Feier anlässlich des 85-jährigen Bestehens des Familienbetriebs (siehe Kasten) würdigte Landrat Thorsten Stolz in illustrer Runde vor allem die Art und Weise, wie bei den Spechts der Übergang von einer zu anderen Generation vonstatten ging.

Drei Jubiläen und ein Geburtstag

Bei den Spechts gab es jetzt allen Grund zum Feiern. Das Unternehmen, das einst von Georg Habermann, dem Großvater des heutigen Geschäftsführers Dirk Specht, gegründet wurde, feierte seinen 85. Geburtstags mit vielen prominenten Gästen aus Politik und Wirtschaft. Neben Landrat Thorsten Stolz waren auch der Neuberger Landtagsabgeordnete Christoph Degen (SPD), Ronneburgs Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD), Kreishandwerksmeister Martin Gutmann sowie der Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, Stefan Füll, ins Ronneburger Hügelland gekommen. Die Vertreter der Handwerksverbände hatten dabei alle Hände voll zu tun. Sie überreichten Seniorchef Willi Specht, der vor 50 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt hatte, den Goldenen Meisterbrief und Dirk Specht für 25 Jahre. Außerdem wurde Mutter Edit für ihre 50-jährige Betriebszugehörigkeit geehrt. Die Feier fand wegen der Corona-Auflagen nur in einem kleinen Kreis statt. Die „große Sause" mit den Kunden und der gesamten Belegschaft, die werde dann irgendwann nachgeholt, so Dirk Specht.

85 Jahre Hair by Specht

Von links nach rechts: Martin Gutmann, Dirk Specht, Edit Specht und Willi Specht


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