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03.09.2018 - Branche reagiert auf Lohnerhöhung für Beschäftigte – Innung klagt über Mikrobetriebe

Hanau. Friseure verdienen seit dem 1. August dieses Jahres durchweg mehr Geld als Folge einer Tariferhöhung, die der Tarifverband für Hessen nach Verhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di zugestimmt hat. Für die Branche bringt mehr Lohn für die Angestellten jedoch auch Probleme mit sich. Wir haben über die Situation im Friseur-Handwerk mit den Obermeistern Michael Dörr, Dirk Specht und Sandra Dunkel gesprochen.

Ihre Angestellten verdienen mehr Geld. Ist das zunächst einmal eine gute oder für die Branche eine eher schlechte Nachricht?

Michael Dörr: Es ist zunächst einmal wichtig, dass unsere Mitarbeiter nun am Ende des Monats mehr Geld übrig haben. Denn sie arbeiten in einem ausgesprochen anspruchsvollen Handwerk und haben eine langjährige Berufsausbildung hinter sich. Zudem bewegen sie sich zumindest in den Innungsbetrieben in einem Umfeld, das ein ständiges Weiterbilden verlangt, um den steigenden Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden.

Sandra Dunkel: Ich denke, dass die Lohnerhöhung auch insgesamt dem Image des Friseurberufs gut tut. Denn unserer Branche haftet ja der Makel an, dass die Beschäftigten unterbezahlt werden. Mit einer besseren Bezahlung geht auch eine größere Wertschätzung des Berufs allgemein einher. Gerade auf dem Ausbildungsmarkt kann uns das enorm helfen.

Sind Sie mit dem Ergebnis der Tarifverhandlungen zufrieden?

Dirk Specht: Ich denke, eine rund zehnprozentige Lohnerhöhung bedeutet für unsere Bediensteten schon eine erhebliche Verbesserung, aber man darf natürlich auch nicht vergessen, dass die Betriebe nun auch gezwungen sind, ihre Preise den Mehrkosten anzupassen. Das Problem ist, dass dies beim Preisniveau die Kluft zwischen den Innungsbetrieben sowie den sogenannten Ein-Mann-Betrieben weiter öffnet. Letztgenannte zahlen keinerlei Umsatzsteuer, wenn sie unter der Grenze von 17500 Euro im Jahr bleiben.

Das heißt, die Mikrobetriebe gehen diesen Weg nicht mit?

Michael Dörr: Nein, für diese Friseure, die nicht organisiert sind, gibt es keine Notwendigkeit, ihre Preise anzupassen.

Von wie vielen sprechen wir da?

Michael Dörr: Ein Drittel der rund 85000 Friseurbetriebe in Deutschland sind mittlerweile sogenannte Mikrobetriebe mit einem Jahresumsatz, der offiziell unter der Grenze von 17 500 Euro liegt und somit umsatzsteuerbefreit ist. Die können natürlich ganz andere Preise machen.

Dirk Specht: Weil sie auch keine Sozialabgaben bezahlen, wenn sie überhaupt Leute einstellen, dann höchstens 450-Euro-Jobber die nachweislich oft denselben Betrag noch mal auf die Hand bekommen. Und für den Nachwuchs sorgen sie auch nicht, denn die Ein-Mann-Betriebe bilden nicht aus. Schon deshalb nicht, um sich nicht selbst Konkurrenz zu machen.

Sandra Dunkel: Man kann da getrost von einer Wettbewerbsverzerrung von 20 Prozent ausgehen. Die Ein-Mann-Betriebe entziehen sich der unternehmerischen Verantwortung für den ganzen Berufsstand, weil sie auch gewisse Auflagen nicht erfüllen müssen.

Können Sie das präzisieren?

Michael Dörr: Wir haben als verantwortungsvolle Unternehmen, die in der Friseurinnung organisiert sind, gewisse Standards zu erfüllen, die der Sicherheit und Hygiene unserer Kunden und unserer Beschäftigten dienen sollen. Da geht es um ergonomisches Arbeiten sowie Digitalisierung. Aber auch Unfallverhütung und Gesundheitsvorsorge ist ein Thema. Wir setzen beispielsweise höhenverstellbare Stühle und Hocker ein, wir müssen auch unsere Elektrogeräte einer regelmäßigen Prüfung unterziehen lassen. Auch Hygiene ist ein großes Thema: Dass jeder Kunde ein frisches Handtuch bekommt, sollte eigentlich selbstverständlich sein. All diese Standards sind natürlich mit Ausgaben verbunden, die solche Mikrobetriebe nicht haben.

Sandra Dunkel: Wir gehen auch deshalb an die Öffentlichkeit, damit der Kunde versteht, warum unser Preisgefüge ein anderes ist, als das bei einem Ein-Mann-Betrieb.

Dirk Specht: Da kommt das alte Sprichwort zum Tragen: Qualität hat ihren Preis.

Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, um mehr Gerechtigkeit in der Branche herzustellen?

Dirk Specht: Ich glaube, zunächst einmal tut Aufklärung not. Wir müssen die Kunden für die Problematik sensibilisieren. Die Leute sollen wissen, dass Sie beim Gang zum Friseur auch über faire Löhne für die Beschäftigten im Friseurhandwerk entscheiden. Die Tariferhöhung sollte ein weiterer Anreiz dafür sein, in einem Innungsbetrieb zu arbeiten und somit auch in die Rentenkassen einzuzahlen, um später auch besser abgesichert zu sein.

Michael Dörr: Wir müssen auch immer wieder an die Politik appellieren, für alle die gleichen Voraussetzungen zu schaffen. Der Meisterbrief im Handwerk stellt sicher, dass ein technischer Betriebsleiter vor Ort ist. Ausnahmereglungen, die es in Deutschland ermöglichen, Salons zu eröffnen, sollten genauer unter die Lupe genommen werden. Leider werden immer nur die Betriebe kontrolliert, die ordentlich anmelden, ausbilden und Abgaben abführen.


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