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28.02.2018 - Obermeister Walter Ebert zieht auf der Ronneburg ernüchternde Bilanz bei der Freisprechungsfeier der Elektroniker

Ronneburg. Gedämpfte Stimmung herrschte jetzt bei der Freisprechungsfeier der Elektroniker auf der Ronneburg. Bei der gerade erst absolvierten Winterprüfung ist fast jeder zweite Auszubildende durchgerasselt. Leider eine sprunghafte und auch negative Entwicklung meinte Obermeister Walter Ebert.

Lag die Durchfallquote in den zurückliegenden Jahren auf einem stabilen Niveau zwischen 23 und 25 Prozent, so schafften diesmal in der Winterprüfung 48 Prozent der Prüflinge nicht die an sie gestellten Anforderungen. Im Sommer war es besser: Da lag die Durchfallquote bei 27 Prozent. Solche Ergebnisse haben Auswirkungen auf die gesamte Branche, befürchtete Ebert. "Nicht wenige Unternehmen würden in der Hochkonjunktur gerne noch zusätzliche Aufträge annehmen. Doch wie sollen diese ohne qualifizierte Mitarbeiter abgearbeitet werden?", fragte der Obermeister in die Runde.

Grund für die schwache Bilanz sei nicht etwa das gestiegene Anforderungsprofil. Vielmehr habe es an den Auszubildenden selbst gelegen. "Vielen war es regelrecht egal. Man hat sich nicht angestrengt. Man hat für die Prüfung nicht gelernt", sagte Ebert, der den Nachwuchs schonungslos ins Gebet nahm: "Die ersten Monate in der Ausbildung werden zum Training von Sozialverhalten gebraucht: Pünktlichkeit, Höflichkeit, Aufmerksamkeit, Verlässlichkeit müssen vielfach noch gelernt werden." Man spreche hier von Kultureigenschaften, die anscheinend weder im Elternhaus noch in der Schule groß gepflegt würden, von Grundlagen wie Lesen, Rechnen und Schreiben ganz zu schweigen, meinte der Obermeister.

Immerhin: Die drei besten Auszubildenden, die auf der Ronneburg besonders geehrt wurden, erzielten bei ihrer Gesellenprüfung allesamt mehr als 85 Prozent. Viktor Kaplan von der Firma Kraft in Bruchköbel legte mit 87,4 Prozent die beste Prüfung des Jahrgangs hin, es folgten Jonas Betz von der Firma Lorenz in Gründau mit 86 Prozent sowie Valmir Elshani von der Firma R+S Solutions aus Hanau mit 85,6 Prozent.

Ein Lichtblick sei die gestiegene Zahl der Ausbildungsverträge, meinte Ebert. So begannen im zurückliegenden Jahr fünf Prozent mehr junge Menschen eine Lehre als Elektriker, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Das lässt hoffen und motiviert, bei den Anstrengungen in der Nachwuchsarbeit nicht nachzulassen", so der Obermeister.

Aber, auch blendende Perspektiven führen nicht zu mehr Zulauf zum dualen Berufssystem.

Schulabgänger zieht es in warme Universitätsstuben und nicht auf zugige Baustellen.

Die Folgen sind eindeutig: Der Nachwuchsmangel bremst das Geschäft. Fachwissen und handwerkliches Know-How gehen sehr schnell verloren.

Die Gefahr ist, dass Bauboom und die zur Zeit übermäßig sprudelnden Steuereinnahmen den notwendigen Wandel bremsen. Denn der Rausch wird irgendwann vorbeisein. Der Brunnen muss gebohrt werden bevor man Durst bekommt, betonte Obermeister Ebert. Für die psychologische

Kehrtwende braucht es die Unterstützung von Politik und Gesellschaft.

Das insgesamt schlechte Prüfungsergebnis und die zunehmenden Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden schlugen sich auch in den Reden der Ehrengäste nieder, die wieder zahlreich zur Ronneburg gekommen waren. Klaus Repp der Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, mahnte die jungen Leute, fleißig zu sein, lobte aber alle diejenigen, die an diesem Abend ihren Gesellenbrief in Empfang nehmen konnten. "Kein Mensch kann behaupten, nicht auf Sie, die Elektriker, angewiesen zu sein", sagte Repp. Der Landtagsabgeordnete Hugo Klein (CDU) war in seiner Amtszeit fast immer bei der Freisprechungsfeier zu Gast und ermutigte die jungen Menschen, ihre Karriere mit der Lehre zu starten. Es ist keine Sackgasse sondern ein wesentliches Fundament für eine hervorragende Karrierechance.

Die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler betonte, dass man deutlich machen müsse, dass das Handwerk keine Berufe zweiter Klasse biete. Sie warb aber auch dafür, Studienabbrechern, die irgendwann feststellten, dass der akademische Weg doch nicht der ihre ist, eine zweite oder dritte Chance im Handwerk zu geben. Bange werde ihr beim Thema Fachkräftemangel, sagte Simmler.

Das sind die erfolgreichen frisch gebackenen Gesellen, die von Obermeister Walter Ebert ihre Gesellenbriefe ausgehändigt bekamen:

Winterprüfung: Fabian Adam (Fa. Weber, Birstein), Benedikt Betz (Fa. Dehmer, Gründau), Jan Eggenweiler (Fa. Essel, Bad-Soden-Salmünster), Marcus Hartwig (Fa. Werth, Bad Soden-Salmünster), Benjamin Maximilian Jaqui (Fa. HRT Hahn Raschke, Schöneck), Viktor Kaplan ( Fa. Kraft, Hanau), Kevin Kilp (Fa. Essel, Bad Soden-Salmünster), Jason Christopher Dy Leibinger (Fa. ComlTech, Bruchköbel), Simon Maximilian Mädrich (Fa. SWE, Nidderau), Maximilian Meyer (Fa. HRT Hahn Raschke, Schöneck), Pascal Neuneck (Fa. Mesa, Maintal), Jan-Niklas Rack (Fa. s-w-tgaplanung, Gründau), Florian Rahn (Fa. Essel, Bad Soden-Salmünster), Martin Schlosser (Fa. Blum, Hanau), Gert Schmidt (Fa. Belz, Gelnhausen), Yannick Schmidt (Fa. Hock, Freigericht), Kilian Simon (Fa. Brambach, Langenselbold), Dennis Strümpel (Fa. HRT Hahn Raschke, Schöneck), Dimitrios Vassiliadis (Fa. Mesa, Maintal), Andreas Vietmeier (Fa. Knaak, Hanau), Mike Weinert (Fa. Mesa, Maintal), Lars Winter (Fa. Schneider, Nidderau), Andre Wolf (Fa. Eltrotec, Rodenbach).

Sommerprüfung: Mike Bätz (Fa. Kraft, Bruchköbel), Maximilian Bauer (Fa. Elsässer, Jossgrund), Mika Bergmann (Fa. Beisler, Bad Soden-Salmünster), Jonas Betz (Fa. Lorenz, Gründau), Volkan Bina (Fa. Jung, Gründau), Pierre Bratz (Fa. Jung, Gründau), Yasin Cengiz (Fa. Pemsel, Bruchköbel), Valmir Elshani (Fa. R+S Solutions, Hanau), Jan Flegler (Fa. Essel, Bad Soden-Salmünster), Benjamin Gerhardt (Fa. Essel, Bad Soden-Salmünster), Noah Halhoul (Fa. Eltrotec, Rodenbach), Robin Kraft (Fa. R+S Solutions, Hanau), Glauber Mauricio da Silva (Fa. Klein, Biebergemünd), Joey Pendarvis (Fa. R+S Solutions, Hanau), Patrick Schneider (Fa. Geyer, Hanau), Tomasz Stasiak (Fa. Beisler), Bad Soden-Salmünster


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